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Folge 8 - Darmkuren, Detox & Kotwasser beim Pferd – was hilft wirklich?

In dieser Podcastfolge von Heu hoch zwei sprechen wir über ein Thema, das viele Pferdebesitzer beschäftigt: Darmkuren, Detox-Kuren und Verdauungsprobleme wie Kotwasser. Viele Produkte versprechen schnelle Hilfe, Reinigung oder Entgiftung – doch was sagt die Ernährungsphysiologie wirklich dazu?


Darmkuren – medizinisch betrachtet kein Fachbegriff

Der Begriff „Darmkur“ stammt nicht aus der Medizin, sondern aus dem Marketing. In der Pferdewelt werden darunter meist Produkte mit Probiotika, Präbiotika, Kräutern oder Hefen verstanden, die über mehrere Wochen gefüttert werden sollen, um das Mikrobiom zu stabilisieren oder den Darm zu „reinigen“. Genau hier beginnt jedoch das Problem: Der Pferdedarm ist auf Konstanz ausgelegt. Jede kurzfristige, starke Veränderung zwingt das empfindliche Mikrobiom zur Anpassung – und diese Anpassung dauert deutlich länger als die meisten Kuren überhaupt dauern Folge 8-transcript.

Wird nach acht bis zwölf Wochen wieder auf das ursprüngliche Futter zurückgewechselt, gerät das Mikrobiom erneut aus dem Gleichgewicht. Im schlimmsten Fall entsteht eine sogenannte Dysbiose – eine nachhaltige Instabilität der Darmflora, die sich durch Kotwasser, Durchfall, Blähungen oder langfristige Verdauungsprobleme zeigen kann.


Warum Konstanz wichtiger ist als jede Kur

Pferde sind Gewohnheitstiere – auch in der Verdauung. Je konstanter die Fütterung, desto stabiler bleibt die Darmflora. Kleine Ergänzungen über längere Zeiträume sind deutlich besser verträglich als häufige Futterwechsel oder kurzfristige Zusatzprodukte.

Gerade in Phasen grosser Umstellungen – etwa beim Anweiden im Frühling oder beim Wechsel auf Winterfütterung – sollte die Zusatzfütterung möglichst stabil bleiben. Denn das Grundfutter verändert sich bereits massiv von Heu zu Gras oder umgekehrt. Zusätzliche Veränderungen belasten den Darm unnötig.


Kotwasser ist kein „normaler Zustand“

Kotwasser entsteht meist durch ein instabiles Mikrobiom. Die Fermentation im Dickdarm funktioniert nicht optimal, Wasser wird nicht ausreichend rückresorbiert und tritt beim Absetzen von Gasen aus. Häufig geht Kotwasser mit Blähungen einher. Langfristig können auch Nährstoffmängel auftreten, selbst wenn das Pferd scheinbar gut gefüttert wird.

Wichtig ist: Es gibt keine „chronischen Kotwasserpferde“. Kotwasser ist immer ein Symptom – kein Normalzustand. Ziel sollte immer Symptomfreiheit sein.


Warum viele Futtermittel mehr schaden als helfen

Viele Produkte versprechen Stabilisierung, Heilung oder Vorbeugung. In der Praxis enthalten sie jedoch oft Inhaltsstoffe, die die Darmflora zusätzlich stressen. Kurzfristige Verbesserungen bleiben meist aus, während das Grundproblem bestehen bleibt.

Die Lösung liegt nicht im nächsten Produkt, sondern in einer strukturierten Analyse der gesamten Fütterung.


Der sinnvolle Weg bei Kotwasser und Verdauungsproblemen

Die wichtigsten Schritte aus der Folge:

  • Fütterung so konstant wie möglich halten

  • Heuqualität prüfen (Heuanalyse)

  • Futterwechsel vermeiden oder extrem langsam durchführen

  • Zusatzfutter reduzieren, wenn das Pferd akut betroffen ist

  • Erst Stabilität erreichen, dann gezielt testen

  • Langfristige Futterplanung statt kurzfristiger Kuren

Ziel ist immer, zuerst Symptomfreiheit zu erreichen. Erst dann kann man herausfinden, ob Unverträglichkeiten wie Getreide oder Soja tatsächlich eine Rolle spielen.


Darmkur und Detox – braucht das Pferd das überhaupt?

Kurz gesagt: Nein. Pferde besitzen hochspezialisierte Entgiftungsorgane – Leber, Niere, Darm und Haut. Diese übernehmen täglich zuverlässig die Entgiftung. Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, dass Kräuter, Pulver oder Kuren diesen Prozess besser unterstützen als die natürlichen Körperfunktionen selbst Folge 8-transcript (1).

Wenn ein Pferd „zu viele Giftstoffe“ im Körper hat, liegt das Problem nicht an fehlender Entgiftung, sondern an einer Überlastung oder Fehlfunktion dieser Organe – und genau dort sollte angesetzt werden.


Ganzheitlich denken statt kurweise handeln

Die wichtigste Erkenntnis dieser Podcastfolge: Nicht einzelne Kuren machen gesund – sondern eine durchdachte, konstante und individuell angepasste Fütterung.

Manchmal ist weniger mehr. Ein klar strukturierter Futterplan bringt oft mehr als zehn verschiedene Zusatzprodukte. Wer langfristig Geld, Nerven und vor allem seinem Pferd Leid ersparen möchte, investiert besser in Wissen, Analyse und Beratung statt in Marketingversprechen.


Hör dir die komplette Podcastfolge an, wenn du tiefer in das Thema eintauchen möchtest und verstehen willst, wie du dein Pferd wirklich nachhaltig unterstützen kannst.

Wenn du selbst mit Kotwasser, Verdauungsproblemen oder Futterunsicherheiten kämpfst, lohnt sich ein ganzheitlicher Blick auf die Fütterung – für ein gesundes, stabiles Pferd und einen entspannten Pferdealltag.

 
 
 

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